Gefährliche Geburtseinleitung – Eine Tablette, die Mütter und Babys gefährdet


In Deutschland wird ein Medikament zur Geburtseinleitung eingesetzt, das hier niemals dafür zugelassen wurde. Kliniken importieren das Präparat. Nach Recherchen von report München und der Süddeutschen Zeitung kommt es unter der Gabe des Medikamentes zu erheblichen Komplikationen – von einem Wehensturm oder einem Gebärmutterriss, bis hin zum Tod von Mutter oder Kind. Während Gesundheitsbehörden anderer Länder davor explizit warnen, das Medikament zur Geburtseinleitung anzuwenden, haben die deutschen Behörden nicht einmal Kenntnis von den Problemen. Mehr

 

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  1. Ein Skandal! Krankenhäuser und Ärzte sollten für ihren Off-Label-Use, den sie „frei Schnautze“ verbrochen haben genau so haften müssen wie die Hersteller. Es sollte außerdem eine Meldepflicht für Geburtsschäden geben (insbesondere für Todesfälle und bleibende Schäden), bei denen die Medikamentierung im Detail anzugeben ist. Die Klinik haftet für den Arzt. Das Medikament gehört für den Einsatz bei Frauen komplett und bei Strafe verboten. (Wer will schon
    den Magen schützen und dafür die Gebärmutter ruinieren?).

  2. Die aktuelle Berichterstattung zu Misoprostol ist sehr einseitig und liest sich wie direkt von der PR-Abteilung des Herstellers Pfizer. Dem gehören die zwei in der Geburtshilfe angewendeten Prostaglandine. Dass es ihm lieber wäre, wenn wir Ärzte das deutlich teurere Dinoproston (70-80 EUR je Dosis) anstelle des sehr günstigen Misoprostol (nur Centbeträge je Doses) verwenden würden ist wohl offensichtlich. Beide Medikamente sind inzwischen gut untersucht. Misoprostol ist etwas effektiver, macht aber auch etwas häufiger Wehenstürme. Darum sollte man nur bewährte, gut untersuchte Dosierungsschemata verwenden. Siehe hierzu z.B. die entsprechenden Cochrane Reviews.

    • als hebamme mit 30 jahren erfahrung kann ich auf die äußerung: „macht ab und zu wehenstürme“ nur sagen: wer betreut die frauen unter der geburt, wer fängt sie auf, wenn die erinnerung an ausgeliefert-sein immer wieder hoch kommt? sie? ein arzt? vielleicht sollten sie die fragen, die direkt an der frau sind. ich weiß auch, daß die aufklärung eben nicht thematisiert, was auf die jeweilige frau zukommt: nicht mehr zurecht kommen, schmerzmittel brauchen, atonien, die unfähigkeit, das baby gleich zu nehmen etc.

      • Hallo Roswitha,
        ich habe schon kreißende Frauen im Wehensturm nach Geburtseinleitungen mit Misoprostol als auch nach Einleitungen mit Dinoproston erlebt und behandelt. Und ich würde von jeder Hebamme erwarten, dass sie bei einem Wehensturm einen Arzt dazu ruft. Das möchte ich nicht bagatellisieren. Wann Geburtseinleitungen sinnvoll sind ist eine Frage, die man diskutieren kann. Ob Misoprostol oder Dinoproston hierfür sicherer oder wirksamer ist, ist inzwischen gut untersucht: Es gibt keinen wesentlichen Unterschied.

  3. Es darf doch wohl nicht wahr sein,
    das Cytotec -ein zur Geburtseinleitung NICHT ZUGELASSENes Arzneimittel- genau zu diesem Zweck verwendet wird, nur um Geld zu sparen!
    Da helfen scheinbar wohl nur Geldstrafen in Millionenhöhe gegen diese (Geburts-)kliniken, die dieses Zeugs Zweckentfremdet verwenden.
    Herr Spahn, aufwachen, jetzt sind sie am Zug!
    Meiner Meinung nach muss der EUG hierzu unbedingt ein Unterlassungsurteil ausssprechen.

  4. Da muss sofort verboten werden.
    Auch meine Tochter hat während der Entbindung dieses Medikament in einer Klinik bekommen.
    Nach Wehensturm folgte Geburtsstillstand. Dann sofort Saugglocke, da die Kindswerte nicht in Ordnung waren. Mutter und Kind hatten einen sehr starken Schutzengel. Es geht beiden sehr gut. Unsere Enkeltochter ist jetzt 8 Monate alt und kerngesund. Gott sei Dank.

  5. Cytotec wird (in Kombination) nicht nur von „ProFamilia“ für den Schwangeschaftsabbruch ZUHAUSE propagiert.
    Der „Kommentar-Platz“ reicht leider nicht, um die Cytotec-Story auszubreiten…
    Schade, dass die „Journailsten“ von REPORT die Hintergründe nicht erklären…
    Cui bono? Möglicherweise ist der Beitrag nicht mehr so simpel als „Aufreger“ und zum einseitigen „bashing“ geeigent…

  6. Wieder mal typisch Deutschland. Jedes Brötchen muss einen eigenen Kassenzettel bekommen, doch bei lebenswichtigen/unbeliebten politischen Themen* unternehmen Politik/Behörden alles, um die übliche Ausrede „dazu liegen uns keine Daten vor“ aufrechtzuerhalten.
    Wo ist hier eigentlich die EU? Wenn Frankreich davor warnt, wieso schweigt dann D.?
    Wieso werden solche fundierten Beiträge in der Presse von Spahn/usw. einfach ignoriert?
    Weil man durch (unangenehme) Rückfragen beim Arzt gerne als Querulant abgestempelt und so behandelt wird, hatten wir vor Jahrzehnten den Spruch geprägt „Herr Doktor wir vertrauen ihnen voll und ganz, doch wenn sie Mist bauen erklären Sie ihren Kindern vorher was Halbwaise bedeutet“ um Missverständnisse zu vermeiden sollte man einfach fragen: „Geben Sie dieses Medikament (Operation) auch ihrer Frau/Familie?“.
    *von Polizeigewalt, Schutz der NSU, die NSU 2.0 in der Polizei/Bürokratur, uvm.

  7. Ach ja, noch ein unbedeutender Punkt…
    Es ist unwahr, dass Ärzte keine Nebenwirkungen melden müssen. Die Berufsordnung ist eindeutig!
    Und sogar die Pharmaindustrie muss AE-Meldungen nachgehen… haben die „fundiert recherchierenden“ Journalisten schon mal etwas vom „Stufenplanverfahren“ gehört?
    Egal… um seriösen Journalismus geht es wohl schon lange nicht mehr…

  8. Als Hebamme in der Nachbetreuung höre ich mir die Geburtsberichte der Frauen nach ihren Geburten an und warne deswegen seit ca 15 Jahren alle meine Kundinnen davor, dieses Medikament einzunehmen weil ich genau die beschriebenen Beobachtungen gemacht habe. Aber da wir ja jetzt alle studieren müssen, müsste ich jetzt sagen daß diese Beobachtungen ja nicht repräsentativ waren, nicht durch Studien belegt- eben einfach nur Beobachtungen…wie einfach es doch manchmal sein kann..Eine der Schwangeren, die es nach meiner Warnung ablehnte, die Zustimmung zum Off- Label- Use zu unterschreiben und auf die Gabe des lokal wirkenden und zugelassenen Prostaglandin- Präparates bestand, musste sich vom betreuenden Arzt den Vorwurf anhören, das koste ihn jetzt 50,-€ statt der 0,50€ die die Tablette gekostet hätte…Armes, reiches Deutschland- wie kaputt gespart ist Dein Gesundheitssystem!!!

  9. Wir haben mit unserer kleinen Tochter ähnliches durchgemacht. Einleitung mit Cytotec, weil Fruchtwasser evtl. zu gering. Keinerlei Aufklärung über die Risiken durch die Ärztin, nur das es Off Label ist, aber sonst bedenkenlos. Dann folgte eine sehr komplizierte Geburt. Schwangerschaft war hingegen unkompliziert. Am Ende Kristeller Griff und Saugglocke. Das Kind kam bewustlos, mit schwächer Atmung und schlechten Werten auf die Welt, mit Verdacht auf Sauerstoffmangel. Sofortige Kältetherapie und 4 Wochen Klinikaufenthalt von Mutter und Kind. Kind ist jetzt 5 Monate alt und zeigt bisher keine Auffälligkeiten. Die behandelnden Ärzte können uns bis heute nicht erklären was da schief gegangen ist. Wir werden nun nach Rücksprache mit der Krankenkasse rechtliche Schritte einleiten. Das Präperat gehört bis auf weiteres für diesen Zweck verboten.

  10. Auch ich jatte eine Geburtseinleitung mit Cytotec. Die Wehen waren schon heftigst, tritzdem hat die Hebamme mir nich eine weitere Tablette gegeben. Ich weigerte mich zuerst, sie zu nehmen, habe aber dann nachgegeben vor Schmerzen. Eine PDA konnte nicht gelegt werden, weil ich keine Wehenpausen hatte. Als die Herztöne von meinem Kind runter gingen, kam ein Arzt mut Saugglocke ind den Kreißsaal. Ich nahm all meine noch verfügbare Kraft zusammen und presste, was ich konnte: mein Kind war auf der Welt, und er war geaund. Ich hatte dann einen Dammriss 3. Grades.
    Beim Nachgespräch sagte die Ärztin, die letzte Tablette Cytotec hätte ich nicht bekommen dürfen. 8-9 Wehen innerhalb von 10 Minuten, das sei zu viel gewesen.
    Nach dem Bericht gesternbin ich geschockt – und überglücklich, dass mein Kind gesund ist. Die Folgen der Geburtsverletzung werden da komplett zur Nebensache.

  11. Unser Enkel wurde 2009 auf die Welt geholt. Es bestand ein Missverhältnis zwischen Kopf und Beckenmaßen, so dass eine Sectio geplant war. Meine Schwiegertochter bekam zur Weheneinleitung ( trotz unmöglicher Geburt auf natürlichem Weg ) Prostaglandine als Infusion verabreicht. Da unter CTG – Kontrolle Rhythmusstörungen beim Kind auftraten, wurde die Aktion abgebrochen.
    Am darauffolgenden Tag wurde die Prozedur wiederholt und es kam erneut schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen beim Kind. Eine Notsectio wurde notwendig.
    Unser Enkel mußte intensiv betreut werden .
    Zum Glück hat sich das Kind gut entwickelt und ist heute gesund und munter.
    Wenn ich diese Berichte lese, kommen mir heute diese ganzen Erinnerungen hoch.

  12. Wieder einmal ein Artikel über das Gesundheitssystem, der sehr einseitig präsentiert wird. Er enthält sicherlich viele Körnchen Wahrheit, doch die Präsentation und Argumentation ist dermaßen einseitig, dass für die breite Leserschaft nur eine Schlussfolgerung möglich ist: die Ärzte und Kliniken sind böse, weil sie wissentlich und willentlich ein Medikament verabreichen, dass Kinder und Mütter schwer schädigt. Ein wunderbarer Aufmacher für hohe Einschaltquoten, diese Position wird der Wahrheit jedoch nicht gerecht. Aber die Wirkung wird natürlich nicht verfehlt. Die Kommentare zeigen, dass einige Leser sehr willig bereit sind, auf eine so präsentierte „einfache Wahrheit“ aufzuspringen. Vermutlich traut man dem Leser oder Zuschauer wirkliche Dialektik nicht mehr zu (mit Recht???). Gäbe es wie behauptet eine einzige wahre Position zu dem Thema, glauben die Autoren etwa nicht, wir Ärzte würden diese Position vertreten? Sondern lieber dafür sorgen, dass mehr Kinder und ihre Eltern mit einer Behinderung leben müssen? Das ist doch ABSURD.

    Möglicherweise muss auch der BR sparen und beendet die Recherche, sobald einige Meinungen eingeholt sind, die zu der möglicherweise vorgefertigten Stoßrichtung des Beitrags passen und eine gute Schlagzeile abgeben?

    Folgende Punkte erscheinen mir besonders erwähnenswert:
    1) Die Geburtseinleitung ist tatsächlich ein Risiko. Das ist gut untersucht. Zu dem Unterschied zwischen verschiedenen Einleitungsmedikamenten ist die Datenlage, wie Sie selbst schreiben, sehr schlecht. Das ist tatsächlich schade, liegt aber daran, dass niemand ein finanzielles Interesse an einer solchen vergleichenden Forschung hat. Der Artikel präsentiert wirksam eine Kausalität, die nicht belegt werden kann (Cytotec als kausal verantwortliches Mittel für das schlechte Outcome, während andere Medikamente – so wird implizit gefolgert – so etwas nicht (oder signifikant seltener) machen würden). Es fehlt vollkommen der Verweis auf die Tatsache, dass andere Einleitungsmedikamente ebenfalls unerwünschte Wirkungen haben, Wehenstürme verursachen können, ohne dass die Häufigkeit statistisch signifikant unterschiedlich wäre. Es fehlt ebenfalls der Hinweis, dass es Misoprostol, den Wirkstoff des Cytotec, in identischer Form auch in einem aktuell zugelassenen Einleitungsmedikament gibt (Misodel als Vaginalinsert). Grundsätzlich sollte also auch der Frage nachgegangen werden, inwieweit die Geburtseinleitung selbst – und nicht isoliert ein Wirkstoff – das Problem darstellen könnte. Hier sehe ich tatsächlich enormen Nachholbedarf in unserer Gesundheitslandschaft. Die Indikation zur Einleitung wird in meinen Augen tatsächlich viel zu häufig gestellt. Das muss diskutiert werden, die Gründe sind vielfältig.
    Zudem legt Ihr Bericht Anwendungsfehler nahe. Eine Einleitung wird nicht fortgeführt, bzw. ein einliegendes Vaginalinsert entfernt, wenn es zu regelmäßigen kräftigen Wehen gekommen ist. Offenbar wurde im präsentierten Fall dieses nicht beachtet. Bei einem solchen Vorgehen kann man mit jedem Prostaglandin eine Überstimulation bewirken. Dafür kann man das Arzneimittel dann nicht verantwortlich machen.

    2) Im Kreissaal können Notfälle passieren, auch ohne Gabe von Cytotec. Es gibt Plazentalösungen, Nabelschnurvorfälle, Blutungen, Uterusrupturen, Fruchtwasserembolien und viele andere, die eine AKUTE und lebensbedrohliche Gefahr für das Kind (und auch die Mutter) darstellen. Die Kreissaal-Organisation sollte in der Lage sein, diese Komplikationen zu erkennen und rasch zu handeln, bevor eine Schädigung des Kindes oder der Gebärenden eintritt. Ihr Beitrag suggeriert, dass das Cytotec selbst das Gehirn des Kindes schädigt und zu der dauerhaften Behinderung führen kann. Das ist nicht richtig. Einleitungsmedikamente können einen Wehensturm bewirken, dieser kann zu einer akuten Magelversorgung des Kindes führen, die bei adäquater Überwachung des Kindes am CTG erkennbar ist, und dann sollte es möglich sein, dass Hebammen und Ärzte darauf rechtzeitig reagieren (mit medikamentöser Wehenhemmung oder auch der sofortigen Entbindung (Saugglocke oder Notkaiserschnitt)). Auch hier greift die angebotene Kausalität – Cytotec als Behindung auslösendes Medikament – zu kurz. Es ist eine Komplikation eingetreten, die nicht adäquat beherrscht wurde. Woran das lag, hätte man auch recherchieren können.

    3) Die Bezeichnung off-label use ist zwar weit verbreitet, aber für die Anwendung von Cytotec falsch. Es ist in Deutschland außer Handel und damit vielleicht off-licence (was juristisch noch schwieriger ist).

    4) Der Artikel verweist auf eine zu hohe Dosierung in „vielen“ Geburtskliniken. Das ist eine undifferenzierte pauschale Verurteilung. Die WHO-Empfehlung von 25µg für die Einzeldosis bezieht sich auf die vaginale Applikation. Oral ist die Äquivalenzdosis höher. Der Applikationsweg sollte Berücksichtigung finden. Zudem ist es interessant, dass die WHO Cytotec zur Geburtseinleitung empfiehlt, und dieses Medikament auf der WHO-Liste der 100 unentbehrlichen Medikamente steht.

    5) Welche gesetzliche Überwachungslücke meinen Sie, nach der Geburtsschäden nicht gemeldet werden müssen? „Lücke“ suggeriert, dass in anderen Bereichen Komplikationen gemeldet werden müssen, nicht aber in der Geburtshilfe??? Es existiert seit vielen Jahren eine externe vergleichende Qualitätssicherung, an der teilzunehmen jede geburtshilfliche Abteilung verpflichtet ist. Darin werden für jede Geburt hunderte Parameter erfasst und quartalsweise an eine zentrale auswertende Stelle exportiert. Hier werden selbstverständlich auch Parameter erfasst (Nabelschnur-pH Werte, APGAR-Wert, Versterben des Kindes), aus denen ein Geburtsschaden ersichtlich werden kann. Neuerdings soll auch die Krankenhausplanung nach Qualitätsindikatoren gesteuert werden, auch hier liefert jeder Kreißsaal Daten. Ohne Frage verdient die Qualitätssicherung allerdings eine Überarbeitung, weil sie ausufernd ist und viele irrelevante Parameter erfasst, ohne dass klar ist, wie zuverlässig sie Qualität wirklich abbilden kann.
    Eine „Lücke“ gibt es vielleicht bei Geburten in Entbindungshäusern und in der Hausgeburtshilfe, hier gibt es keine vergleichbare Qualitätssicherung.

    6) Warum wird Cytotec angewendet? Vermutlich ist der Hinweis richtig, dass dem in vielen Fällen wirtschaftliche Erwägungen zugrunde liegen. Das scheint in der momentanen Debatte immer ein Grund zu sein, auf die Gesundheitsdienstleister verbal einzuschlagen. Für die Kliniken ist es unerlässlich, heute auch wirtschaftlich zu denken. Leider ist die Dauer einer Geburt kein Kriterium für die Vergütung im DRG-Dschungel. Für eine Sturzgeburt erhält die Klinik dieselbe Vergütung wie für eine mehrtägige Einleitung, die dann vielleicht in einer 20-stündigen extrem überwachungsintensiven Geburt mündet. Wenn man hier von einem DRG-Erlös von vielleicht 2000 Euro für Einleitungsmedikamente 200 Euro, also 10%, abziehen muss, ist das schlicht nicht kostendeckend. Das darf natürlich kein Grund für eine Verordnung eines nicht zugelassenen Medikamentes sein. Aber es dürfte auch nicht sein, dass Kreißsäle so schlecht vergütet werden, dass sich nur noch der Kaiserschnitt lohnt. Wo die Wirtschaftlichkeit fehlt, gibt es bald überhaupt keine Geburtshilfe mehr. Dieses Denken sollte in einer so komplexen Thematik nicht immer automatisch gebrandmarkt werden.
    Zudem gibt es auch medizinische Gründe für Cytotec. Bei Blasensprüngen – ein sehr häufiger Einleitungsgrund – sollte die vaginale Manipulation (Untersuchungen, aber auch Gabe von Medikamenten) auf ein Minimum beschränkt werden, da sich dadurch ein erhöhtes Infektionsrisiko für die Gebärmutter und das Kind ergibt. Zudem sollen die Vaginalinserts bei Blasensprüngen entfernt/nicht verwendet werden, da die Freisetzung des Wirkstoffs und seine Resorption durch das ablaufende Fruchtwasser verändert wird. Es gibt aber kein zugelassenes Einleitungsmedikament, das oral applizierbar ist. Hier hat Cytotec einen Vorteil des oralen Applikationswegs.

    Zusammenfassend bleibt mir nach der Lektüre der Eindruck, dass ein wichtiges Thema mit vielen interessanten Aspekten beleuchtet wird, die Darstellung aber zu einseitig erfolgt. Gerade vom Gebühren-finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk erwarte ich etwas mehr Neutralität und Dialektik. Das müssen Sie meiner Meinung nach dem Leser zumuten, auch wenn dieser lieber auf einfache Botschaften anspringt, die leicht zu verstehen sind. Medizin und Gesundheitssystem sind viel zu komplex, als das einfache Wahrheiten hier richtig sein könnten.

    • Vielen Dank für Ihre ausführlichen Erläuterungen. Als Kollegin bin ich Ihnen dankbar, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Die Einseitigkeit der Berichterstattung ist sehr problematisch.
      Mit freundlichen Grüßen CM

    • Der Vorteil des oralen Applikationsweges ist meiner Ansicht nach genau das Problem: Prostaglandine stehen zur Geburtseinleitung in Form von lokal wirkenden Präparaten zur Verfügung. Hier habe ich diese Nebenwirkungen nicht beobachtet. Ein systemisch wirkendes Medikament lässt sich einfach schlechter dosieren als ein lokal wirkendes. Aber natürlich ist die Verabreichung vaginal etwas aufwändiger und am Personal muß schließlich auch gespart werden.Letztendlich müssen wir wieder feststellen daß der Fehler in einem Gesundheitssystem liegt dass Krankenkassen die Macht gibt die Dienstleister im Gesundheitswesen massiv unter finanziellen Druck zu setzen!!!
      Übrigens: Eine Überwachungslücke gibt es auch bei Geburten in Geburtshäusern und zu Hause nicht: QUAG wirkt es schon sehr lange und liefert aussagekräftige Zahlen…bitte googeln;)

  13. Ich verstehe nicht, warum die Klagen so kompliziert sind und so lange dauern.
    Wenn ein KFZ-.Mechaniker vorsätzlich oder grob fahrlässig nicht zugelassenen Öl (z.B. Speiseöl) in den Motor füllt, haftet er für den Schaden.
    Das Gleiche müsste für einen Mediziner gelten, der ein für diesen Zweck nicht zugelassenes Medikament wissentlich und vorsätzlich verabreicht.
    Und verschärfend für den Mediziner ist, dass der Hersteller des Medikaments vor den schlimmen Nebenwirkungen bei Schwangeren warnt und diese dem Mediziner bekannt sind.

  14. Da habe ich leider ganz Schreckliche Erfahrungen gemacht. Letzten Sommer wurde bei unserem Baby in der 13 SSW kein Herzschlag mehr festgestellt. In der Klinik wurden mir 2 Tabletten gereicht die ich zuhause einführen soll wenn ich am Abend schlafen gehe. Es fehlte jegliche Aufklärung und einfühlsamer Umgang im Krankenhaus. Es wurde nur gesagt, das Medikament macht das Gewebe weich damit die ÖPIS sicherer ist und ich soll erst am nächsten Morgen zu einer Ausschabung kommen.
    Ich würde also ohne Aufklärung der Ärzte heim geschickt und nahm die zwei Tabletten ohne medizinische Betreuung. Hatte keine Ahnung was es bewirkt. Das Ergebnis:
    3 Stunden ununterbrochene Wehen, starke Übelkeit und Der Kreislauf brach zusammen. Das Badezimmer glich einem Schlachtfeld und alles ohne Betreuung zuhause. Ich und mein Mann waren komplett überfordert. Das Kind kam auf der Toilette zur Welt.
    Die Antwort in der Klinik danach.
    danach: kann passieren……
    So etwas darf nicht sein!!!!!

  15. Ich selbst habe auch Cytotec in der Geburtsklinik bekommen. Fast vier Tage hatte ich teils schier unerträgliche Schmerzen ohne dass sich wirklich was getan hat. Letzten Endes habe ich am vierten Tag unseren Sohn auf natürlichen Weg zur Welt gebracht. Während dieses Berichts sind mir die Tränen in die Augen geschossen. Mir wurde in der Klinik zwar vom sog. „Off-Label-Use“ berichtet, allerdings nicht über dieses Ausmaß an Risiken!! Mit Urvertrauen in die Hände einer Geburtsklinik begeben, bin ich mehr als 2 Jahre danach, entsetzt.
    Ich wünsche allen betroffenen Familien viel Kraft für den weiteren rechtlichen Weg, um wenigstens Gerechtigkeit zu erfahren; auch wenn es Jahre dauert.

  16. Ich habe Cytotec für den Wechsel meiner Hormonspirale bekommen. Ich sollte sie 4 Stunden vor meinem Termin einnehmen. 2 Stunden nach der Einnahme wurde mir schlecht, Kreislauf kollabierte, ich übergab mich zuhause und war nicht mehr in der Lage zum Arzt zu fahren. Nach einer Stunde Schlaf rappelte ich mich auf um zu meinem Frauenarzt zu fahren. Dort wurde dann die Spirale gewechselt. Danach brach mein Kreislauf wieder zusammen und mein Mann kam mich abholen da ich nicht mehr in der Lage war nach Hause zu fahren. Dieser Erfahrung möchte ich wirklich nicht mehr machen.

  17. Mein Kind ist mit Sicherheit auch ein Opfer dieses Medikamentes, nach mehrfacher Gabe und schlimmen CTGs erlitt mein vorher gesundes Kind einen schweren Hirnschaden und ich bin für mein Leben gezeichnet.

  18. Vielen Dank für diesen längst überfälligen Bericht zu einem geburtshilflichen Problem, welches auch in Deutschland seit gut 10 Jahren in Fachkreisen bekannt ist, aber bisher in der Öffentlichkeit tot geschwiegen wurde!
    Ich bin selber als ärztlicher Gutachter tätig und kenne einige schreckliche Verläufe unter Cytotec. Man hat ganz klar den Eindruck, dass Geburtskomplikationen unter Cytotec häufiger eintreten als bei anderen Medikamenten. Nur beweisen lässt sich so etwas im Einzelfall nur schwer.
    Das Hauptproblem beim Einsatz ist das Gewinnstreben der Kliniken: Weil auch Entbindungen nach Fallpauschalen abgerechnet werden, kann die Klinik ihren Gewinn durch die Verwendung von niedrigen Sachkosten steigern ( denn den Pauschalen liegen natürlich die Durchschnittskosten der zugelassenen und damit teureren Alternativen zugrunde). Perverserweise fällt im DRG System der Erlös der Klinik noch höher aus, wenn die „Geburtseinleitung misslingt“ oder schwere Komplikationen wie Placentalösung oder Blutungsanämie eintreten.
    Die „Aufklärung“ der Patientinnen erfolgt zumeist oberflächlich und ohne ausreichende Bedenkzeit, manchmal unzulässigerweise durch Pflegepersonal. In der Regel wird den Frauen suggeriert, sie erhielten ein neuartiges Medikament, welches kurz vor der Zulassung steht. In Wirklichkeit ist es ein altes Präparat, was gar nicht mehr in Deutschland zugelassen ist, sondern aus dem Ausland bezogen wird.
    Die Tablette wird gelegentlich als Scheiden- oder Enddarmzäpfchen gegeben, wozu es keinerlei gesicherte Pharmokinetik ( Dosisverteilung) gibt usw.
    Zutreffend ist, dass wegen der niedrigen Kosten und der besseren Haltbarkeit Cytotec von der WHO für Entwicklungsländer als Wehenmittel empfohlen wird. Aber rechtfertigt dies den Einsatz in einem Hightec-Medizin— Land?
    Wer als Arzt schon mal Schwangere zu einer notwendigen Antibiose „überreden“ musste, weiss dass die meisten Frauen aus Sorge um ihr Kind am Liebsten gar keine Medikamente einnehmen möchten. Bei adäquater Aufklärung aller Risiken würde m.E. Keine Schwangere ein Medikament einnehmen, welches laut Beipackzettel bei Schwangerschaft kontraindiziert ist, Mutter und Kind gefährdet und nur den Erlös der Klinik steigert.

    • Sehr geehrter Herr Soranus,

      wenn Sie medizinisch bewandert sind empfehle ich Ihnen eine aktuelle Literaturrecherche zu Cytotec als Medikament zur Geburtseinleitung.
      Es gibt reichlich Studien zur Sicherheit und Anwendbarkeit. Das Pfizer keinerlei Interesse hat Raubbau an den eigenen Produkten zur Geburtseinleitung zu treiben ist doch wohl klar.

      Mit freundlichen Grüßen

  19. Endlich die aktuelle Stellungnahme der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe zu diesem schlecht, einseitig und unverantwortlich recherchierten Artikel.

    [Hier hat die Redaktion einen Link entfernt, siehe Kommentarrichtlinien]

    Ich hoffe, das rückt das Ganze wieder ins Lot. Cytotec ist ein in vielen Studien untersuchtes Medikament, welches mit bei entsprechender Dosierung mit derselben Sicherheit wie andere Medikamente gegeben werden kann. Es ist effektiv, nicht belastender als andere Einleitungsmedikamente, macht keine erhöhte Kaiserschnittrate und ist immer noch besser als die bei Übertragung rein naturgemäß ansteigenden Risiken für plötzlichen Kindstod, schlechtes kindliches Outcome, kindliche Schäden wenn man „der Natur ihren Lauf“ lässt.
    Das alles ist in vielen Studien mehrfach und wissenschaftlich unstrittig nachgewiesen.

    Hoffentlich äußern sich die Redakteure dazu. Und bekennen, dass sie als wissenschaftliche und medizinische Laien einen fürchterlichen Bockmist gebaut haben: einseitig, plakativ, Click-bait-artig berichtet; keine Fachkommission befragt, nur einzelne, massiv vorbelastete „Experten“. Was soll das? So läuft wissenschaftliche Kommunikation und Erkenntnisgewinn nicht.

    Bis dann

  20. Gerade einen Artikel im Spiegel (14/02/2020 18:34 also lange nach dieser Sendung) dazu entdeckt – ein wichtiges Wort ist SELBST bei „haften die Ärzte dafür selbst“:
    Umstrittenes Medikament
    Wie gefährlich ist Cytotec bei Geburten?
    Cytotec ist eigentlich ein Magenmittel, wird in Deutschland aber häufig eingesetzt, um Geburten einzuleiten. Berichte über mögliche Risiken haben viele Schwangere verunsichert. Was steckt dahinter? ….

    ….Warum darf Cytotec in der Geburtshilfe verwendet werden?
    In Deutschland ist Cytotec nicht zur Geburtseinleitung zugelassen. Es kann dafür jedoch im sogenannten Off-Label-Use verwendet werden. Dies bedeutet, dass Mediziner ein Medikament in einem Anwendungsbereich einsetzen dürfen, für den es gar nicht zugelassen ist. Patientinnen müssen darüber jedoch aufgeklärt werden. Kommt es zu Schädigungen durch Nebenwirkungen, haften die Ärzte dafür selbst. Das Off-Label-Verfahren kommt häufig auch in der Kinderheilkunde zum Einsatz. Denn gerade bei Schwangeren und Kindern sind Medikamententests – die für eine Zulassung nötig wären – aus ethischen Gründen hochproblematisch…..
    Hier der Link (falls erlaubt – sonst bei SPON selbst suchen):[Hier hat die Redaktion einen Link entfernt, siehe Kommentarrichtlinien]

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