Pestizidzulassungen in der EU – Verbraucherschutz Fehlanzeige

Die Zulassungsverfahren der EU für Pestizid-Wirkstoffe sind zu lasch und schützen den Verbraucher nicht ausreichend vor gefährlichen Stoffen. So wurde nach Recherchen des BR die umstrittene, hochgiftige Substanz Chlorpyrifos trotz eines Behördenfehlers zugelassen. Ein Grund dafür ist, dass Europäische Behörden die Anträge der Hersteller nicht kritisch genug prüfen. Mehr

 

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  1. Es gibt eine logische Erklärung für das „Copy und Paste“ Verfahren der Behörden: die Form der Studienzusammenfassungen ist nach OECD Richtlinien standardisiert. D.h. wenn eine Studie gut zusammengefasst wurde, wäre eine Zusammenfassung in eigenen Worten Zeitverschwendung und man müßte lange darüber nachdenken, wie der selbe Inhalt formgemäß unter Verwendung anderer Ausdrücke wiedergegeben werden kann. Diese Zeit ist besser investiert, wenn die Behörden Berechnungen nachprüfen oder bewerten, ob ältere Studien noch den heutigen Anforderungen entsprechen. Auch die Form der Risikobewertungen ist standardisiert und wird vermutlich früher oder später von Computerprogrammen übernommen werden können. Generell arbeitet man bei der Erstellung der Risikobewertungen mit Textblöcken. „Freitext“ verwendet man nur, wenn Grenzwerte nicht erreicht werden und Spezialstudien und Literaturdaten etc. herangezogen werden. Natürlich ist es manchmal schwierig zu erkennen, ob die Behörde etwas verändert hat. Eine bessere Kennzeichnung wäre für alle Seiten besser. Es kommt z. B. vor, daß eine Behörde weitgehend der Bewertung des Antragstellers folgt und dabei irgendwo, ohne Kommentar, einen Endpunkt geändert hat. Wenn das dem Antragsteller nicht rechtzeitig auffällt, hat er dann keine Chance mehr neue Daten zur Klärung des Sachverhaltes zuerheben. Es stimmt, daß es große Unterschiede in der Qualifikation der Behörden Mitarbeiter gibt. Wenn es in Europa Länder gibt, in welchen Akademiker mit einer Vollzeitstelle bei der Behörde 600 Euro brutto monatlich verdienen, während die Lebensmittel im Supermarkt das selbe kosten wie bei uns und Wohnraum auch verhältnismäßig teuer ist, verwundert es nicht, daß diese Behördenmitarbeiter sich von der Industrie ins Ausland abwerben lassen, sobald sie etwas Berufserfahrung gesammelt haben. Die Folge: diese Mitarbeiter werden durch Anfänger ersetzt. Die Zulassungsverfahren sind sehr komplex, so daß man jahrelange Erfahrung braucht. Die Folge hiervon ist daß mancher RMS tatsächlich zu milde bewertet. Manchmal sind die Bewertungen auch schlichtweg falsch, daß kann aber auch zu Ungunsten des Antragstellers ausfallen. Aufgrund der Komplexizität, insbesondere in Toxikologie und Ökotoxikologie, ist es auch nicht immer ganz klar, ob eine Studie noch gültig ist. Soll z. B. ein neuer Tierversuch mit Fischen zur Bioakkumulation durchgeführt wrrden, weil in der vorhandenen Studie der Fettgehalt der Fische nicht bestimmt wurde? Entscheidet der RMS, daß eine neue Studie nicht nötig ist, kann es vorkommen, daß die EFSA das als Datenlücke identifiziert, was die Zulassung gefährden kann. Hat man mit einem erfahrenen RMS zu tun, wird der RMS direkt eine neue Studie fordern, oder aber die Gültigkeit der vorhandenen Studie qualifiziert bei der EFSA vertreten. Bei einem weniger erfahrenen RMS kann es für den Antragsteller böse Überraschungen geben. Die großen Unternehmen, die in Formaten wie „Report“ besonders angegriffen werden, geben sich bei den Zulassungen größte Mühe und führen die Anträge äußerst gewissenhaft aus. Es gibt viel zubewerten und evtl. zuwenig Personal bei den Behörden und zudem Länder in Europa in welchen Armut herrscht, was sich auch auf die Qualität der Arbeit auswirken kann. Das Kopieren von Textstellen, anstelle einer Tippübung im Sinne „schreibe in deinen eigenen Worten“, ist nun wirklich nicht das Problem.

  2. Ich bin über diesen Bericht nicht erstaunt. Dieses Verfahren, welches beschrieben wurde, ist Standard. Die Agro-Chemische-Industrie darf Gutachten erstellen und auch noch selbst unterschreiben und diese werden von den Zulassenden Behörden anerkannt. Da sind die Deutschen, wie auch die Österreicher bei der Überprüfung sehr schmerzfrei.
    Bei den alternativen Produkten (die es sehr wohl gibt) werden alle Register gezogen (auch innerhalb der efsa), damit diese nicht in den Verkehr gebracht werden können. Und was dadurch auch gewollt ist, die Kostenexplosion bei der Zulassung, so daß die „Mittelständler“ aufgeben und somit das Zulassungsverfahren nicht durchführen.
    Dies hat alles System. Ich bin selbst Betroffener und mir sind die Lobbygespräche zwischen der Agro-Chemie und den zulassenden Behörden bekannt und wie auch dann die Politik einknickt.

  3. Dieser Beitrag ist in meinen Augen unverantwortlich und in dieser undifferenzierten Form die reinste Panikmache. Der Verbraucher, insbesondere die Schwangeren Verbraucherinnen -so wie ich- werden mit diesen Informationen in Angst und Schrecken versetzt und mit ihren aus dem Bericht resultierenden Fragen, zum Beispiel welches Obst und Gemüse überhaupt noch essbar ist und ob dieses Pestizid auch in Bioprodukten nachgewiesen wurde, völlig alleine gelassen. Welche Nährwert hat dieser Beitrag also für deny Verbraucher tatsächlich? Welche Konsequenzen soll er für seine weitere Ernährung davon ableiten? Diese Fragen gehören in einem solchen Beitrag dringend beantwortet. Aktuell bleibt einem, sofern man die Information ernst nimmt, letztlich nur die Möglichkeit gar kein Obst, insbesondere keine Zitrusfrüchte mehr zu essen, oder den Beitrag zu ignorieren, womit er selbst wieder sinnlos würde. Es bräuchte also weitere Aufklärung, um die Information sinnvoll einordnen zu können. So ist dieser Beitrag absolut enttäuschend.

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