Meister statt Master – Deutschland braucht Facharbeiter

Deutschlands Universitäten sind voll. 56% der Jugendlichen beginnen ein Studium. Derweil suchen Handwerksbetriebe händeringend nach Lehrlingen, nach künftigen Facharbeitern und Nachfolgern. Die Unternehmer kritisieren den Akademisierungswahn der vergangenen Jahre: „Wir brauchen wieder mehr Meister und weniger Master.“ Mehr

 

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  1. Ich bin Diplom-Volkswirtin (51) als Projektleiterin bei einem internationalen Projektentwickler für Erneuerbare Energien tätig, mein Lebensgefährte Facharbeiter ( Automechaniker) (54)im Schichtdienst im Mercedes Werk Bremen. Ich kann leider den Aussagen ihrer Reportage nicht zustimmen und würde mich gerne einmal mit Herrn Nidda- Rümelin zum Streitgespräch treffen. Mein Lebensgefährte ist trotz geringem Altersunterschied gesundheitlich um 10 Jahre älter und müder als ich. Durch fehlendes Abitur und/ oder Studium ist bei ihm und seinen Kollegen eine politische und persönliche Reflektionsfähigkeit deutlich schwächer ausgebildet. In den vergangenen Jahren habe ich in seinem Berufsumfeld eine Tedenz zum Glauben an populistischen Thesen festgestellt die mich erschreckt. Was die Lohnsituatiin anbetrifft, so wird in seinem Umfeld konstatiert, dass nur Facharbeiter in Grosskonzernen auskömmlich verdienen und sich eine Handwerkstätigkeit nur als Selbständiger lohnt. Solche Aussagen kenne ich aus meinen akademischen Berufsumgeld nicht. Als politisch engagierte Bürgerin ist mir ist jeder Schüler goldes Wert, der 12 bzw. 13 Jahre lernen kann und eine kritische Urteilsfähigkeit und tiefergehendes Interesse an gesellschaftspolitischen Themen entwickelt.

  2. Diese Akademiker-schwemme,wird die Situation dieser Berufsgruppe nicht verbessern.
    Die Wirtschaft sucht sich die Besten herhaus,der Rest muss dann Berufsfremde Tätigkeiten übernehmen.
    Dieses Prestigedenken,dass man einen Akademischen Titel bekommt,zahlt sich oftmals nicht aus.
    Als Handwerksmeister,sind da die Aussichten besser.

  3. Ich habe zwei abgeschlossene Ausbildungen in einem sozialen und handwerksnahen Bereich. Anfang der 1990er Jahre sagte man uns, „ihr werdet immer eine Arbeit haben!“ Pustekuchen, nach Öffnung der Mauer wurde in den Betrieben immer mehr rationalisiert und die Personalschlüssel abgesenkt. Ungelernte wurden eingestellt, um an gelernten Personal zu sparen. Dann hieß es um 2000 herum, „wir brauchen mehr Akademiker, es gibt zu wenig, vor allem in internationalen Vergleich.“ Außerdem brauche man in der Zukunft mehr hochgebildete in den Bereichen Kommunikation, vernetztem Denken usw. Also habe ich noch studiert. In vielen Lehrberufen verdient man nämlich auch einen Witz. So, wie kann es sein, dass seit Jahren gejammert wird, es würde in Deutschland zu wenig in Bildung investiert. Also bekam die Bildung mehr Gewicht. Ja, liebe Leute, wenn Schüler und Schülerinnen mehr gefördert werden (was ja gut ist), was passiert denn dann? Sie entwickeln ihre Intelligenz und machen vermehrt Abi. Und wollen in der Regel auch studieren. Was völlig okay ist. Und niemand kann sagen, ob der digitaliserte, automatisierte Arbeitsmarkt der Zukunft noch so viele Lehrberufe benötigt. Ich glaube nicht, dass wir in fünf oder zehn Jahren noch viele Bäcker brauchen werden. Nur als Beispiel. Und was die angebliche Akademikerschwemme angeht: Die Arbeitslosenquote ist immer noch recht niedrig, und auch viele Handwerker sind bei Zeitarbeitsfirmen.

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